Aus dem Alltagsgrau ins Grüne fliehen! Zille im Bürgerbüro.

„Den Bayern soll es gut gehen“ POLITIK Karin Evers-Meyer (SPD) äußert in Wittmund erste Eindrücke aus Berlin. Die Verteidigungsexpertin meint, dass es viele politische Gemeinsamkeiten gibt. Quelle: Anzeiger für Harlingerland vom 4.11.2013, Heidi Hinrichs

WITTMUND/BERLIN – Die Koalitionsverhandlungen sind spannend“, meint MdB Karin Evers-Meyer (SPD), die am Freitag zur Ausstellungseröffnung der Heinrich-Zille-Ausstellung ins SPD-Bürgerbüro Wittmund kam und ein wenig aus dem „Berliner Nähkästchen“ plauderte. Sie sitze Peter Gauweiler und Erika Steinbach gegenüber und habe den Eindruck, dass es Ziel der sehr selbstbewussten CSU sei, dass es vor allem den Bayern in Deutschland gut gehe. Dennoch stelle sie viele Gemeinsamkeiten in den politischen Vorstellungen fest. Bei den bisherigen Diskussionen zur Bundeswehrreform sei deutlich, dass die Parteien am Parlamentsbewilligungsgesetz festhalten wollen, wenn es um Einsätze geht. Auch der Bundesfreiwilligendienst, „den wir seit vielen Jahren wollen“, stünde bereits zur Diskussion. „Dort wird es Neuerungen geben“, so die Zetelerin, die eine Brücke schlug von der Zeit der Jahrhundertwende, in der Heinrich Zille lebte, in die heutige Zeit. Zille habe damals viele prekäre Situationen der Lebensverhältnisse der Menschen geschildert. Eine Stadt wie Wilhelmshaven beispielsweise zeige prekäre Familiensituationen auf. Viele Familien seien auf teure Betreuung angewiesen. „Dieses Geld fehlt dann für die weitere Bildung“, so SPD-Politikerin Evers-Meyer.
 

Aus dem Alltagsgrau ins Grüne fliehen
ERÖFFNUNG Ausstellung mit Zeichnungen und Radierungen von Heinrich Zille im Bürgerbüro zu sehen.
Karin Evers-Meyer (SPD) schildert ihre Eindrücke über die Koalitionsverhandlungen.
VON HEIDI HINRICHS, Anzeiger für Harlingerland vom 4.11.2013.
Zum Schmunzeln, aber vor allem zum Nachdenken und manchmal auch zum Erschrecken regt die neue Ausstellung im Bürgerbüro der SPD in der Wittmunder Fußgängerzone an, die am Freitagabend im Beisein der Bundestagsabgeordneten Karin Evers-Meyer eröffnet wurde, die den Gästen auch ihre Eindrücke der Koalititonsverhandlungen aus Berlin schilderte: Gezeigt werden Zeichnungen und Radierungen von Heinrich Zille, der ab 1890 viele sozialkritische Themen aufgriff, die er in seiner Heimatstadt Berlin vorfand. „Du hast jesacht, wies is….“ hat der Dichter Kurt Tucholsky über seinen Kollegen Zille gesagt. Mit diesem Satz hat Initiator Heinz Buss diese Ausstellung nun auch benannt. Heinrich Zille hat zahlreiche Fotografien mit Szenen aus den Berliner Straßen, von Volksfesten und aus den Ateliers befreundeter Künstler aufgenommen und zum Thema seiner Werke gemacht. So schuf er später auch Bildbände wie „mein Milljöh“ und die Zyklen „Berliner Luft“ und Hurengespräche“. Heinz Buss, der zur Ausstellungseröffnung betonte, dass er im Bürgerbüro gerne Kunst mit Politik verbinde, berichtete von der Entstehung der aktuellen Aktion. Er habe sich schon
lange mit Heinrich Zilles’ Werken befasst. Bei einem Bummel über den Berliner
Flohmarkt „Unter den Linden“ sei ihm ein Buch von Zille in die Hand gefallen. Der Berliner habe genau hingesehen, Bilder voller Lebenslust gezeichnet, aber auch Bilder mit einem grimmigen Humor, das einem das Lachen oft im Hals stecken bleibt: „Wenn ik will, kann ich Blut in den Schnee spucken“, ist eines der Bilder unterschrieben, das an die Schreckenskrankheit Tuberkulose erinnerte. Unterstützt wurde Buss in seinem Eröffnungsvortrag übrigens von Brigitte Delinger, die das Berlinerische in der
Sprache von Heinrich Zille perfekt wiedergeben konnte. Der Berliner Künstler habe die
Sonntage geliebt, an denen die ganze Familie das Grau des Alltags verlässt und ins
Grüne zieht, im Freien isst und trinkt und in den Seen badet. All das zeigen die Bilder
im SPD-Bürgerbüro neben Themen wie Armut in den Familien, Prostitution und der
Ausweglosigkeit in einer Stadt ohne Sonnenaufgang und Vogelgesang. Stimmungsvoll zur Eröffnung spielte vor dem Bürgerbüro der Schortenser Alfred Eden seine Drehorgel – die kleine Kirchenorgel des armen Mannes, die in Berlin stark vertreten war.