Porträt der SPD-Kandidatin Siemtje Möller: Jetzt beginnt der Wahlkampf-Endspurt

WITTMUND/VAREL/MH – Für die Bundestags-Direktkandidaten beginnt jetzt der Endspurt im Wahlkampf. Auch für Siemtje Möller von der SPD bedeutet dies: Termine, Termine – gestern Morgen etwa suchte sie das Gespräch mit den Bürgern auf dem Wochenmarkt in Wilhelmshaven. Quelle: Anzeiger für Harlingerland vom 7.9.2017

Dieses Foto entstand gegen 7.30 Uhr in Carolinensiel. Manchmal holt Siemtje Möller ihre Mitstreiter in aller Frühe zusammen, um über wichtige Themen – in diesem Fall die Wohnraumsituation an der Küste und auf den Inseln – zu diskutieren. Anschließend setzte sie mit der Fähre nach Wangerooge über.
Dieses Foto entstand gegen 7.30 Uhr in Carolinensiel. Manchmal holt Siemtje Möller ihre Mitstreiter in aller Frühe zusammen, um über wichtige Themen – in diesem Fall die Wohnraumsituation an der Küste und auf den Inseln – zu diskutieren. Anschließend setzte sie mit der Fähre nach Wangerooge über. Bild: SPD Wittmund

Die 34-Jährige war in den vergangenen Wochen eigentlich täglich auf Achse. Sie tritt in große Fußstapfen – immerhin will sie das Mandat der langjährigen und etablierten Bundestagsabgeordneten Karin Evers-Meyer erringen. Die Themenvielfalt im gesamten, flächenmäßig großen Wahlkreis 26 zu erfassen, sich bekannt zu machen, das stand dabei für die junge Kandidatin im Mittelpunkt. Die gelernte Lehrerin für Französisch, Spanisch, Politik, Wirtschaft (derzeit in Mutterschaftsurlaub) und Mutter von zwei kleinen Jungs erprobt auf diese Weise – mit ihrem Lebenspartner zusammen – was es heißt, die tägliche politische Arbeit und Erziehung/Familie unter einen Hut zu bringen.

Eine junge Mutter im Wahlkampf
Kandidatin Siemtje Möller (SPD) ist im Dauereinsatz – Immer im Kontakt mit der Familie

Manchmal ruft sie ihre Mitstreiter schon in aller Frühe zu wichtigen Themen zusammen.
VON MANFRED HOCHMANN
Man kann sie kaum mehr zählen, die vielen Termine und Anlässe, auf denen Siemtje Möller für die kommende Bundestagswahl zwischen Jadebusen und Harle unterwegs ist. Manchmal trommelt die   SPDKandidatin ihre Leute auch schon in aller Frühe, zur „unchristlichen Zeit“ zusammen. Etwa wenn sie mit der ersten Fähre von Harlesiel nach Wangerooge übersetzt, um mit Bürgern und Verantwortlichen über das Problem der Wohnungsknappheit und teuren Mieten in der Küstenregion zu diskutieren. Schon um 7.30 Uhr sitzt sie vorher in einem Café in Carolinensiel, um hier Kommunalpolitiker, Landräte oder ihre Stellvertreter mit dem Thema zu konfrontieren. Wenn Siemtje Möller ruft, kommen sie alle – zumindest die sozialdemokratischen Mandatsträger. Trotz früher Uhrzeit wirkt die frühere Gymnasiallehrerin (jetzt in Mutterschaftsurlaub) ausgeschlafen. Dabei hat sie in der Nacht kaum ein Auge zugemacht. „Der kleine Jasper bekommt gerade Zähne…..bitte zoomen sie nicht zu dicht auf meine Augenringe“, bittet sie den Kameramann. Müdigkeit? Falls ja, lässt sie sich nichts anmerken.
Auch nicht mit Blick auf den 24. September. Trotz oder gerade wegen aller schlechten Prognosen für die SPD versprüht sie Kampfeswillen und Optimismus. Gerade als junge Mutter – Möller lebt in einer Partnerschaft – will sie zeigen, dass sich Familie, Politik und Berufstätigkeit miteinander verbinden lassen müssen. Als Überraschungskandidatin gestartet, ist Möller inzwischen ein bekanntes Gesicht im großen Flächen- Wahlkreis 26. Nicht nur wegen der Plakate, die sie lächelnd in den Landkreisen Friesland und Wittmund sowie in der Stadt Wilhelmshaven zeigen. Die 34-Jährige ist quasi jeden Tag auf Achse, besucht Firmen, soziale Einrichtungen, Schulen, Landfrauen, Parteigremien, DLRG, Wochenmärkte, sitzt auf Podiumsdiskussionen, trifft sich mit Gemeinde- und Kreispolitikern, erwartet bekannte Sozialdemokraten wie Andrea Nahles, Stephan Weil – und demnächst den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz auf Wahlkampftour.
Möller ist schon lange voll im Wahlkampfmodus. Sie hat sich in die Themen intensiv hineingearbeitet, sucht zu möglichst allen Generationen den Kontakt. Auch beim Arbeitskreis 60plus der SPD stellt sie sich. Soziale Themen brennen auf den Nägeln.

Etwa dass viele Arbeitnehmer mit einem Job nicht mehr über die Runden kommen. „Auch Menschen mit mittleren Einkommen werden steuerlich stark belastet, da müssen wir etwas tun“, sagt Möller. Die Rentenpolitik muss auf den Prüfstand. Natürlich hat sie auch die jungen Leute im Blick – gerade sie will Möller für mehr politisches Engagement motivieren.
Ob Jung oder Alt – immer wieder trifft Siemtje Möller auf Skepsis – auch in den eigenen Reihen – ob die SPD es überhaupt noch packen kann am 24. September. Siemtje Möller sagt: „Es gibt viele Menschen, die wohl SPD wählen würden – im Moment sind sie aber nicht überzeugt.“ Diese etwa zehn Prozent müsse man gewinnen, „dann sind 30 Prozent für uns drin“. Aber mit wem soll die SPD dann Mehrheiten bilden, etwa mit den Linken? Möller: „Ich würde zumindest mit ihnen diskutieren wollen, wenn sich eine Mehrheit zeigt nach der Wahl. Das würde ich aber bis nach der Wahl verschieben wollen. Regieren ist besser als Opposition.“ Allerdings: „Mit der AfD werde ich auf keinen Fall reden, das sind Nazis.“ Das Thema Verteidigung ist ihr wichtig, die Bundeswehr- Standorte in der Region. Sollte sie in den Bundestag kommen möchte sie den Sitz im Verteidigungsausschuss von ihrer Vorgängerin Karin-Evers-Meyer übernehmen.
Zurück zum Termin in Carolinensiel: Was muss man tun, damit „normale“ Menschen sich wieder Wohnraum leisten können? Darum dreht es sich immer wieder bei ihrer Küsten- und Inseltour. Erste Ansätze auf Bundes- und Landesebene gibt es bereits, hier steuernd einzugreifen. „Da müssen wir am Thema dranbleiben, etwas für die Menschen bewirken. Sollte ich in den Bundestag kommen, werde ich mich intensiv darum kümmern“, sagt Siemtje Möller. Wie sie da so sitzt in den Reihen der Lokalpolitiker, lächelnd, aber doch energisch guckt – nimmt man es ihr ab. Sie wird sich kümmern, diesen Eindruck will Siemtje Möller auf ihrer Wahlkampf-Tour vermitteln. Das gilt trotz allem Wahlkampfstress auch für die Familie: Zwischendurch klingelt immer wieder das Handy… Jaro (5) und Jasper (sechs Monate) wollen wissen, wo die Mama ist. Geduldig erklärt sie den Lütten, was sie gerade unterwegs so macht. „So, jetzt muss sich der Papa kümmern“, sagt Siemtje Müller, und eilt zum nächsten Termin.